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Mailartausstellung im Hunderwasser-Bahnhof in Uelzen

 

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Zum 75. Geburtstag von Friedensreich Hundertwasser

Ein Beitrag von Gisela Jaschik - Sendung vom 15. Dezember 2003

Ein wahrlich tristes Bahnhofsgebäude aus der wilhelminischen Zeit betraten Zugreisende, die in Uelzen ein- oder ausstiegen. Bis drei Ratsherren aus der Heidestadt Mitte der 90er Jahre die Idee hatten, den Bahnhof aufwändig verschönern zu lassen. Und zwar als Expo-Projekt der Stadt Uelzen. Nach langem Hin und Her gelang es tatsächlich, den berühmten Wiener Künstler Friedensreich Hundertwasser für dieses Projekt zu begeistern, und nicht zuletzt auch die Bahn-AG. Inzwischen präsentiert sich der Bahnhof innen und außen in einem prächtigen neuen Gewand. Mit bunten Säulen und goldenen Kuppeln. A la Hundertwasser eben! Es war sein letztes Werk. Der Künstler starb im Februar 2000. Am 15. Dezember 2003 wäre er 75 Jahre alt geworden. Ihm zu Ehren zeigt der Uelzener Verein "Bahnhof 2000" eine so genannte "Mail-Art"-Ausstellung. Mit Beiträgen von Künstlern aus aller Welt.

Ein Empfangsgebäude wie eine bunt schillernde Märchenwelt: Mit Kugelig verformten, runden Keramiksäulen in gelb und rot, blau und grün. Mit Brunnen, die zum Sitzen einladen, und Fliesen wie Reste in abgerundete Ecken gesetzt Nichts ist rechtwinklig. Alles erscheint beschwingt und belebt. Besuchergruppen spazieren staunend hindurch. Ganz hinten hat das Projektbüro des Vereins "Bahnhof 2000" einen Verkaufs- und Ausstellungsraum. Eine Hommage an Friedensreich Hundertwasser ist die Ausstellung mit Werken, die Künstler aus aller Welt zu seinem 75.Geburtstag nach Uelzen geschickt haben. Seit Jahren gibt es ein weltweites Mail-Art-Netz, in dem sich Künstler gemeinsam an Projekten beteiligen. Ob sie nun in Finnland oder Uruguay, in Rußland oder den USA leben. Rund 200 von ihnen bekamen Ende März Post aus Uelzen. Eine Einladung, sich am Projekt "Hundertwasser als Architektur-Doktor" zu beteiligen. "Im Juni trudelten die ersten Antworten ein", sagt Ariane Schmischke, Geschäftsführerin des Vereins Bahnhof 2000:

"Am Anfang ist es schon so, dass man sehr gespannt ist wie die Reaktion sein wird, und dann gab es eine Zeit, in der die meisten Beiträge kamen. Das war sehr aufregend, jeden Tag etwas Neues, Buntes im Briefkasten zu finden." Schon die Briefumschläge – ob groß oder klein – zeigen sich künstlerisch gestaltet: mit angedeuteten Rundsäulen, mit Wortspielen und verfremdeten Hundertwasser-Objekten. Aber auch Postkarten beidseitig aufwändig und liebevoll bearbeitet, z.B. etliche aus Italien:

"Vielfalt in Farbe und Form" hat Helga Möhle ihr Werk genannt. Ein buntes Bild in Form einer Briefmarke – mit einem Foto des Künstlers. E. Seifried aus Kornwestheim schreibt: "Eine graue oder eintönige Welt ist immer ein Synonym für das Fegefeuer oder die Hölle."

Ungarische Künstler haben sich ebenso beteiligt, wie amerikanische oder französische. Auch ein Ägypter ist dabei – mit einer sehr ansprechenden Bleistiftzeichnung. Andere haben bunte Collagen gefertigt – aus Plastikfolien auf Postkarten genäht und geklebt:

"Ich muss ehrlich gestehen, dass ich zu Beginn als ich die Einladungen verschickte, bei manchen Adressen, wie z.B. Uruguay so dachte: na ja, ob da jemals was zurückkommt? Aber es kam!"

Die Vielfalt der Briefe und Postkarten hat die Veranstalter überrascht. Manche haben sogar mehrere Briefe künstlerisch gestaltet. Der bekannteste deutsche Teilnehmer ist Klaus Staeck. Sein Beitrag: die blaue Erdkugel vor strahlendem Sternenhimmel. Titel: "Die Mietsache ist schonend zu behandeln und in gutem Zustand zurück zu geben." Die wohl ungewöhnlichste Mail-Art war jedoch ein Päckchen von Uwe Bressem aus Berlin mit aufklappbarem Innenleben. Mit Türmchen und Glaskuppeln aus Fliesen, Teppich- und Stoffresten.

57 Künstler und Künstlerinnen haben Mail-Art-Post nach Uelzen geschickt. Insgesamt 102 Beiträge. Einer von ihnen ist jedoch kein Freund der Hundertwasser-Kunst. Doch auch seine Postkarte wurde sorgfältig gerahmt: "Diese Karte hat er mit Wachsmalstift richtig geschwärzt. Ausgeschnitten und auf die Karte geklebt. Nun, da steht: Ich kann die Kunst von F. Hundertwasser nicht leiden. Und wir sehen, auch der Künstler Schedler hat sich mit der Aufgabe auseinander gesetzt."

Grenzenlos erscheinen die Methoden, sich mit Hundertwasser künstlerisch auseinander zu setzen. Die in der Ausstellung zu sehenden Ergebnisse faszinieren zweifellos.

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